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Mein Lieblingsautor John Irving – Vortrag am 23. März 2015

Vorstellung des amerikanischen Autors John Irving anhand von dreien seiner Werke, Goslarsche Höfe  23. März 2015

Ich bin eine bekennende Spätzünderin. Erst viele Jahre nach ihrer Auflösung wurde ich ein großer Fan der Beatles. Erst viele Jahre nach meinem Schmalspurstudium des Unterrichtsfaches Englisch entdeckte ich meine Leidenschaft für die englische Sprache und las und lese freiwillig aktuellere Werke britischer und amerikanischer Literatur (19. und 20. Jahrhundert).

Lieblingsbücher habe ich nicht. Ich lese Bücher aus Neugier, auf Empfehlungen hin, als Buchgeschenke, als Ausleihexemplare. Beim Lesen entscheidet sich, ob mich das Buch fesselt (dann ist es mein aktuelles Lieblingsbuch) oder ob es mich langweilt. Aus diesem Grund habe ich nicht wirklich Lieblingsbücher, aber es gibt durchaus Autoren, auf die bzw. deren Werke ich immer wieder zurückkomme. Zu ihnen gehören vor allem die beiden amerikanischen Schriftsteller John Irving, den ich heute vorstelle, und Philip Roth.

Meine erste Berührung mit John Irving geschah 2003 durch das Anschauen einer oscargekrönten Verfilmung seines Romans „The Cider House Rules“ (ungefähre Übersetzung des Originaltitels: „Die Regeln des Mosthauses“), der unter dem Titel „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ 1985 herauskam. Der Film war 1999 gedreht worden und wurde 2000 mit zwei Oscars ausgezeichnet, nämlich für Michael Caine als besten Nebendarsteller in der Figur des Dr. Larch und für John Irving selbst für das beste adaptierte Drehbuch. „Adaptiert“ bedeutet hier speziell, dass eine Handlungsepisode aus Gründen der Zeitökonomie wegfällt.

Doch zunächst ein paar Angaben zum Autor:
John Irving
John Irving wurde am 2. März 1942 in New Hampshire geboren, einem der Neuenglandstaaten an der US-amerikanischen Ostküste. Schon vor seiner Geburt hatte sich seine Mutter scheiden lassen. John wurde von einem Professor für russische Literatur namens Irving adoptiert. Mit 14 Jahren begann er zu ringen und zu schreiben. Durch eine ausgeprägte Rechtschreibschwäche hatte er massive Probleme in der Schule. Mit 19 Jahren wollte er nur den Ringersport ausüben und zugleich Romane schreiben. Ein Zitat von ihm selbst aus dieser Zeit: „Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner.“
Ab 1961 studierte er an verschiedenen Universitäten in den USA und in Österreich englische Literatur und schloss  diese Studien 1967 mit dem „Master of Fine Arts“ ab. Er bekam eine Dozentenstelle an einem College im Bundesstaat Vermont.
Die ersten drei Romane waren mäßig erfolgreich. Erst als er sein viertes Buch „The World according to Garp“ bzw. „Garp und wie er die Welt sah“ bei einem anderen Verlag herausbrachte, erreichte er 1978 endlich seinen Durchbruch.

Wie bereits oben erwähnt, näherte ich mich John Irving zuerst durch das Ansehen einer Verfilmung des Romans „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ an. Das war 2003. Ich war sofort so fasziniert und begeistert von diesem Film, dass ich ihn bis heute insgesamt fünf Mal vom Anfang bis zum Ende angeschaut habe.

Der Film hat zwei Handlungsorte:
a) das Waisenhaus im verlassenen Örtchen St. Cloud im Bundesstaat Maine
b) eine Apfelplantage an der Küste Maines, eine halbe Tagesreise von St. Cloud entfernt

Die Hauptpersonen sind:
a) Dr. Wilbur Larch, Gynäkologe und allgemeiner Arzt, Leiter des Waisenhauses von St. Cloud (im Film gespielt von Michael Caine)
b) Homer Wells, von seiner Mutter nach seiner Geburt in St. Cloud verlassen und von Dr. Larch an Vaters Statt und von den drei Krankenschwestern an Mutters statt aufgezogen
(im Film gespielt von Tobey Maguire)
Cider House Rules
Es gibt einige verwaiste bzw. verlassene Jungen und Mädchen in St. Cloud. Grundsätzliches Ziel ist es, die Kinder in Familien zu vermitteln, was in einigen Fällen durchaus gelingt, in einigen hingegen nicht, so z. B. im Fall des zarten und kleinen Fuzzy, der ganz furchtbar schlau ist, der aber auf Grund einer Lungenerkrankung nur unter einem Sauerstoffzelt überleben kann und der gegen Ende des Film stirbt, und Homer Wells, der nach zwei gescheiterten Adoptionsversuchen im Waisenhaus bleiben darf unter der Bedingung, dass er sich von Dr. Larch zum Gynäkologen und zum allgemeinen Arzt ausbilden lässt und ihm und den drei Krankenschwestern im Heim zur Hand geht.

Dr. Larch leistet Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind, Hilfe bei der Geburt ihres Kindes. Die meisten lassen es danach im Heim zurück und verschwinden wieder. Leider kommen auch viel zu häufig schwangere Frauen ins Waisenhaus, die zuvor Hand an sich selbst gelegt haben und für die er nicht mehr tun kann außer, ihnen die Schmerzen beim Todeskampf mit Äther zu erleichtern. Weil er das viel zu oft erlebt hat, nimmt Dr. Larch auch vermehrt Abtreibungen vor, was sich natürlich unter der Hand herumspricht. Das ganze Handwerk und Hintergrundwissen eines Gynäkologen lernt Homer bei ihm, er selbst lehnt Abtreibungen jedoch ab und bricht als junger Mann aus, als ein Pärchen wegen einer Abtreibung ins Waisenhaus kommt. Mit ihnen freundet er sich rasch an und sie nehmen ihn mit zu sich. Die Familie der Frau (Candy) betreibt eine Apfelplantage an der Küste und Homer lebt einige Jahre ein glückliches und genügsames Leben als Apfelpflücker. Briefe von Dr. Larch ignoriert er. Dieser schickt ihm bald einen Arztkoffer mit allen erforderlichen Instrumenten. Überraschenderweise kommt der Koffer bald zum Einsatz. Während der Erntezeit leben Fremdarbeiter auf der Plantage, darunter auch ein älterer Mann, Mr. Rose, und seine erwachsene Tochter, Rose. Homer bemerkt, dass es Rose morgens übel ist, und fragt sie gerade heraus, im wievielten Monat sie ist und wer der Vater ihres Kindes ist. Als sie andeutet, dass sie von ihrem Vater missbraucht wurde, hilft Homer ihr mit einer Abtreibung aus dieser Situation. Das ist sicher der Wendepunkt in Homers Leben.

Er wird sich schlagartig seiner Verantwortung bewusst und reist zurück nach St. Cloud, nachdem er vom Tod Dr. Larchs erfährt, der inzwischen alles für seine Nachfolge vorbereitet hat (Fälschung von Universitäts-Dokumenten und Manipulation der einstellenden Behörden).
Die Themen von Buch und Film sind also neben dem Bruch gesellschaftlicher Tabus wie Abtreibungen und illegalen Handlungen wie Urkundenfälschungen aber vor allem eine tiefe Nächstenliebe und Solidarität. Irvings Stil ist einerseits sehr empathisch, zugleich schildert er Charaktere sachlich-neutral durch das, was sie sagen und tun. Irving fällt keine Urteile und sieht sie ganz differenziert in ihren vertrackten Lebenssituationen.
Die Handlung des Buches umspannt etwa die Jahre 1920 bis 1950.

Das Leben in St. Cloud wird bestimmt von Ritualen, allesamt von Dr. Larch eingeführt. Ein wichtiges darunter ist das allabendliche Vorlesen, das abwechselnd Dr. Larch, die drei Krankenschwestern und Homer vornehmen und das sie stets schließen mit den Worten „Gute Nacht, Ihr Prinzen von Maine, Ihr Könige von Neuengland.“ Dies berührte mich immer besonders.

So war denn meine Neugierde geweckt worden. Ich wollte weitere Werke von Irving lesen, dessen einfühlsamer Stil mich reizte. Meine nächste Wahl fiel auf „Last Night in Twisted River“ bzw. „Letzte Nacht in Twisted River“, erschienen 2009.

Die Handlung umspannt mehrere Jahrzehnte und ist sehr verschachtelt. Die Themen sind Mord, Selbstjustiz und vor allem die Entwicklung eines Jugendlichen zum Erwachsenen, Liebe, Fürsorge und Solidarität. Erster Handlungsort ist eine Holzfällersiedlung am Twisted River im Norden New Hampshires. Der italo-amerikanische verwitwete Koch Dominic und sein halbwüchsiger Sohn Daniel leben dort. Dominic sorgt täglich für das leibliche Wohl der hart arbeitenden, kalorienbedürftigen Holzarbeiter.
Eines Nachts geschieht das Tragische: Daniel wacht auf und bemerkt, dass sich in der Dunkelheit ein Wesen dem Bett seines Vaters nähert, das er für einen Bären hält, das in Wirklichkeit aber die korpulente Geliebte seines Vaters und des Constables Carl zugleich ist, Injun Jane. Er erschlägt sie beherzt mit der großen Bratpfanne. Dominic deponiert ihre Leiche bei Constable Carl in der Hoffnung, dass dieser, der häufiger betrunken als nüchtern ist, meine, er selbst habe sie im Rausch erschlagen. Dominic und Daniel vertrauen sich dem Holzfäller Ketchum an, mit dem sie in den nun folgenden Jahrzehnten der Flucht Kontakt halten. Ketchum warnt die beiden immer wieder, wenn er bemerkt, dass Carl ihren neuen Wohnort herausgefunden hat, per Telefon oder per Brief. Das zieht sich über viele Jahrzehnte hin. Dass Carl es immer wieder herausbekommt, liegt an einer undichten Stelle: Ketchum ist nämlich Analphabet und beauftragt die neue Geliebte Carls, ihm die eingehenden Briefe vorzulesen und neue Briefe an Dominic für ihn zu schreiben. Diese Geliebte verspricht zwar Verschwiegenheit, da Carl aber immer wieder gewalttätig ist, rettet sie ihre eigene Haut, indem sie ihm Dominics neuen Ort verrät. Daniel wird zu einem sehr erfolgreichen Schriftsteller.
Nach circa 35 Jahren schafft Carl es, Dominic und Daniel in ihrem Haus aufzutreiben. Er dringt des Nachts ein und erschießt Dominic im Schlaf. Daniel, der seit dem Beginn der Flucht auf diese Situation vorbereitet ist und stets eine Waffe bei sich trägt, erschießt daraufhin Carl.
In Atem hielt mich hierbei wieder Irvings Stil, zu dem jetzt auch noch ausgesprochen lustige, humorvolle und tragikomische Elemente kommen. Die vielen Handlungsstränge haben mir den Genuss dieses Buches nicht verleidet.

Der dritte Roman Irvings, den ich hier kurz vorstelle, heißt „In one Person“ bzw. „In einer Person“ und erschien 2012. Wieder fesselte mich Irvings zugleich tragikomischer, humorvoller und empathischer Stil, der die Themen des Buchs, nämlich Bisexualität und AIDS und ihre gesellschaftliche Akzeptanz bzw. Nicht-Akzeptanz im Verlauf der Geschichte der USA und der des Protagonisten auf unterhaltsame Weise nahebrachten.

Am Ende seiner Tage stehend schreibt Billy, der Ich-Erzähler des Romans, von seinem Leben und Lieben als Bisexueller, der in den prüden fünfziger und sechziger Jahren seine Vorliebe für beide Geschlechter entdeckte und lernte, gegen die dominierenden gesellschaftlichen Konventionen sein Leben zu leben. Dieses sexuelle Erwachen stellt jedoch erst den Beginn einer langen Reise dar.
Mit viel Humor beschreibt er im ersten Teil des Romans die aufkeimende sexuelle Lust seines Protagonisten. Unnachahmlich dargestellt ist dabei die Nacht seiner Defloration mit der rätselhaften Miss Frost, der heimlichen Heldin des Buches, in der mit so viel Witz die Gefühlswelt Billys ausgelotet wird, dass diese Passage eigentlich ihren Platz in den diversen Aufklärungsbüchern verdient hätte.
Die trotz aller Schwierigkeiten stets heitere Atmosphäre von Billys Jugendjahren ändert sich schlagartig mit dem Beginn des Aids-Zeitalters zu Beginn der achtziger Jahre. Als Billy erfährt, dass Tom Atkins, seine Liebe aus Schulzeiten, im Sterben liegt, besucht er ihn und seine Familie, um ihn in seinen letzten Stunden zu begleiten. Was er antrifft, erschüttert Billy bis ins Mark. Es zwingt ihn dazu, sich mit seinen eigenen Ängsten auseinander zu setzen: „Ich hatte keine Angst davor zu sterben. Ich hatte Angst davor, mich für immer schuldig zu fühlen, weil es nicht mich erwischt hatte.“

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